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Freitag, 20. Oktober 2017

Vernissage, Skulpturen und Installationen - Juppenwerkstatt Riefensberg

Passagen aus der Vernissage Rede von Frau Elisabeth Stöckler (29.05.2011)

... Petra Raid initiiert und moderiert Lern- und Kreativitätsprozesse, die das Selbstverständnis der ganzen Region verändern. Ich nenne hier nur stellvertretend für zahlreiche andere Projekte die sensible Auseinandersetzung mit der Euthanasiepraxis in nationalsozialistischer Zeit und das innovative Designer-Handwerker-Projekt zur Mitgestaltung des Schulneubaus genannt "Handanlegen - selbst gestalten“. ...

... Ich persönlich erlebe Petra Raid immer wieder auch erfrischend bodenständig. Deshalb scheint mir ihre Arbeit mit Erde, mit Ton, besonders selbstverständlich. Die im unteren Raum an der Wand präsentierten edlen Frauenskulpturen, Jüpplerinnen, sind in Rauchbrandtechnik gefertigt. Hierbei wird der Ton so erdig gebrannt wie die Farben erdig sind. Nach dem ersten Schrühbrand werden die Objekte in Alupapier gepackt und in eine mit Sägemehl gefüllte Tonne geschichtet. Das Sägemehl wird entzündet und die Objekte werden über Tage dem Feuer und dem Rauch anvertraut. Dieses unkontrollierbare Element gestaltet die Exponate in der Farbgebung mit und diese wird erdverbunden und individuell - wie Juppenträgerinnen in der Wirklichkeit. Das edle Erscheinungsbild, die gotische Erhabenheit der Figuren gemahnt an den aufrechten Gang (innerlich und äusserlich) der stolzen Wälderinnen, die sich auch im Logo der Juppenwerkstatt wiederfinden.
Die Bilder hier im ersten Stock sind ebenfalls mit Rauchbrand und mit einer speziellen Drucktechnik erstellt. Sie thematisieren mit Bild und Text die Traditionsverbundenheit, Liebe und Erotik, Trauer und Schmerz. Und mit ein wenig Augenzwinkern finden sich auch Hinweise auf die moralischen Forderungen an uns Wälderinnen. Ein breites Spektrum menschlichen Lebens. ...

... Doch im Erdgeschoss (Tenne) findet sich eine Installation, die Tradition und Vitalität durchaus humorvoll verbindet. Die Installation auf dem langen Tisch mit handgearbeiteten Häkeldecken ist eine Reminiszenz an die Spitzkappe, die edelste Kopfbedeckung der Frauen des Bregenzerwaldes. Die Spitzkappe, die im 19. und 20. Jahrhundert ausschließlich zum Kirchgang getragen werden durfte, wird hier in den ursprünglichen Kontext eines Esstisches (eines Abendmahles) geholt und zudem verfremdet. Sie finden originale Spitzkappen aus verschiedenen Zeitaltern neben tönernen und papierenen. Alle 12 Spitzkappen sind verbunden durch grundsätzlich 12 Markierungen, die beim Original als weiße Stärkepunkte die schwarze, gestrickte und gefilzte Kopfbedeckung beleben. Diese Markierungen wurden vermutlich im 19. Jahrhundert symbolisch mit den 12 Aposteln verknüpft. Wir Frauen des Bregenzerwaldes werden mit der Symbolik unseres Gewandes immer wieder direkt auf den religiösen Rahmen verwiesen.  ...

Die ganze Rede zum Download